In der Gemeinde Goseck im Landkreis Weißenfels fanden Luftbildarchäologen 1991 ein weiteres Highlight der Astronomiegeschichte: ein Sonnenobservatorium. Mit seinen 7000 Jahren Geschichte gilt es als das älteste in Europa und sorgt somit weltweit für großes Aufsehen, denn Stonehenge in England, was schon seit vielen Jahren tausende von Menschen in seinen Bann zieht, ist "lediglich" 4000 Jahre alt.
Mehr als 10 Jahre nach der Entdeckung, im Jahr 2002, begann man mit den zweijährigen Ausgrabungsarbeiten der jungsteinzeitlichen Kreisgrabenanlage. Am 21. Dezember 2005, dem Tag der Wintersonnenwende, wurde unter großem Medien- und Publikumsinteresse die rekonstruierte Anlage mit einer sensationellen Feuershow eröffnet.
Die Anlage besteht aus einem fast kreisrunden Graben von etwa 75 Metern Durchmesser, der von einem Wall umgeben ist. Im Inneren des Kreises sind über 3 Meter hohe Stämme in die Erde eingelassen und bilden zwei Palisadenringe. Damit wird der Blick ins Innere verhindert und schafft von innen neue Horizonte. Durch Wall, Graben und Palisadenringe ziehen sich drei Unterbrechungen in die Himmelsrichtungen Norden, Südosten und Südwesten in Form aufwendig gestalteter Tore.
Am Tag der längsten Nacht kann man beobachten wie im Südwesttor der Kreisgrabenanlage die Sonne untergeht. Am Morgen danach geht die Sonne im Südosttor wieder auf. Man vermutet, dass diese alte Kreisgrabenanlage auch als Versammlungs-, Kult- und Gerichtsplatz diente, auf dem Fruchtbarkeitsreligionen gefeiert wurden. Vermutlich waren diesem Ort selbst rituelle Menschenopfer nicht fremd.
Zweimal jährlich laden der Gosecker Sonnenobservatorium e.V. und die Gemeinde Goseck zu einer Feier an der Kreisgrabenanlage ein. Jeweils zu den wichtigen Terminen der Winter- und Sommersonnenwende am 21. Dezember und 21. Juni finden die Ereignisse statt. Hautnah kann der Besucher bei diesem gemeinschaftlichen Ereignis den Sonnenkult unserer Vorfahren erleben.
Das ganze Jahr über steht die frei begehbare Anlage für die Besucher offen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, den Besuch am Standort Goseck mit dem Besuch des zugehörigen Infopoint zu beginnen. Ganzjährig bietet das Personal des Infopoint auch Gruppenführungen am Sonnenobservatorium an. Näheres dazu erfahren Sie auf der nächsten Seite.
